Weg der Erinnerung

Karfreitagsmorde

Wie an vielen Orten des untergehenden „Dritten Reiches“ kam es auch in Dortmund in den letzten Tagen und Wochen des Zweiten Weltkrieges zu Massenmorden durch die Geheime Staatspolizei. Deren Angehörige wurden in Dortmund gemeinsam mit Angehörigen der Kripo im Februar 1945 unter dem neu eingesetzten „Kommandeur der Sicherheitspolizei“ zu einer paramilitärischen Formation zusammengefasst, aus der sich die Exekutionskommandos rekrutierten. Zusätzlich kam es im Falle Dortmund zu einem starken Anstieg der örtlichen Häftlingszahlen, größtenteils bedingt durch die Evakuierung zahlreicher Gefängnisse des westlichen Ruhrgebiets aufgrund der näher rückenden Front nach Dortmund. Für den Umgang mit diesen Häftlingen existierten nach zentraler Vorgabe durch das Reichssicherheitshauptamt in Berlin aufgrund der sich zuspitzenden Lage nur die beiden Optionen Entlassung oder „Sonderbehandlung“, also polizeiliche Exekution.

Mahnmal in der Bittermark

Die Entscheidung wurde aufgrund erschwerter Kommunikation mit der Zentrale wiederum an die Kommandeure der Sicherheitspolizei delegiert, die meist auf Vorschlag der zuständigen Beamten hin entschieden. Ein großer Teil der in Haft Befindlichen wurde durch die örtliche Polizei als gefährlich kategorisiert und als Plünderer bzw. „Bandenmitglieder“ (hiervon betroffen waren aufgrund der katastrophalen Versorgungslage in erster Linie ausländische Zwangsarbeiter), Spione, Saboteure, Kommunisten oder Juden ermordet. Als Massengräber benutzte man die zahlreichen Bombentrichter in den Wäldern der Bittermark und des Rombergparks. Erst der Einmarsch amerikanischer Truppen Mitte April 1945 setzte dem ein Ende. Bereits eine Woche später wurden die ersten Bombentrichter geöffnet. Weitere folgten. Da die Situation zum Ende des Krieges noch keine genaueren Ermittlungen erlaubte, gibt es unterschiedliche Angaben über die Zahl der gefundenen Opfer (ob überhaupt alle gefunden worden sind, ist bis heute zweifelhaft), die sich insgesamt auf fast 300 belaufen haben dürfte. Nur ein geringer Teil der größtenteils ausländischen Opfer konnte identifiziert werden.

Arbeitsstelle Zukunft braucht Erinnerung - Jugendring Dortmund - Andreas Roshol - andreas.roshol@spuren-suchen.de